"Wir sind auf alles vorbereitet"
Beim Schockraumtraining an der Klinik Rothenburg wurden Notfallsituationen unter Realbedingungen durchgespielt
Das Schockraumteam steht bereit. Eine 40-jährige ist aus fünf Metern Höhe von einer Brücke gesprungen. Sie wird vom Rettungsdienst versorgt und in die Klinik Rothenburg gebracht. Allerdings werden Ärzte und Pflegekräfte heute keine Patientin „aus Fleisch und Blut“ in Empfang nehmen. Vielmehr wird die fiktive Notfallsituation im Rahmen eines Schockraumtrainings unter Realbedingungen durchgespielt.
Als Patientin fungiert eine Ganzkörper-Puppe, die intubiert, beatmet und mit venösen Zugängen versorgt werden kann. Mit Notarztbegleitung kommt sie im Schockraum der Klinik an. In die Rolle des Notarztes ist Daniel Schölz geschlüpft. Der Oberarzt der Unfallchirurgie hat das viertägige Schockraumtraining konzipiert, bei dem täglich wechselnde fünf- bis achtköpfige Teams aus Ärzten und Pflegekräften verschiedene Fälle bearbeiten. Vorher gibt es ein theoretisches Auffrischtraining.
Das Schockraumtraining ist nach dem sogenannten ATLS (Advanced Trauma Life Support)-Prinzip aufgebaut, einem weltweiten Ausbildungskonzept, das ein standardisiertes, prioritätenorientiertes Schockraummanagement für Traumapatienten lehrt.
„Auch an einer kleineren Klinik müssen wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, sagt Schölz Im Jahr 2023 wurden an der Klinik Rothenburg 56 Schockraumpatienten versorgt, davon etwa zehn Prozent sogenannte „Schockraum-A-Fälle“, also Patienten mit akut lebensbedrohlichen Verletzungen.
Die „Patientin“ wird nach dem „ABCDE-Schema“ untersucht und versorgt, bei dem sämtliche Abläufe in Reihenfolge ihrer Dringlichkeit abgearbeitet werden. Nach der Stabilisierung und eingehenden Untersuchung wird sie ins CT gebracht. Dort bestätigt sich die Verdachtsdiagnose „Beckenbruch“.
Am Ende ist Daniel Schölz zufrieden mit der Arbeit der heutigen Schockraum-Crew. Die virtuelle Patientin hat trotz ihrer schweren Verletzungen überlebt, weil alle an der Behandlung Beteiligten wussten, was zu welchem Zeitpunkt zu tun war. „Schockraum ist ein Projekt“, ist Schölz überzeugt. Heute hat es sehr gut funktioniert.